2010 The Mind's Eye

Nicole Ottigers Hauptinteresse gilt dem Selbstporträt. Die Wahl für ihre Residency fiel dadurch auf das Brain Mind Institute (BMI) der EPFL Lausanne, welches unter anderem die Wahrnehmung des Selbst erforscht. Das Selbst in einem Porträt abzubilden, ist gleichsam der Versuch, nicht nur das Bewusstsein, sondern auch den eigenen Körper zu lokalisieren. Das Selbstporträt verlangt einen Perspektivwechsel von der ersten zur dritten Person. Es greift in die körperliche Wesenheit ein und stellt die Frage nach der eigenen Identität. Das mehrteilige Werk „The Mind’s Eye”, das während der Residency entstand, stellte Selbstporträts des virtuellen Körpers dar. Als Grundlage wandte Nicole Ottiger das neurowissenschaftliche Experiment „Video Ergo Sum: Manipulating Bodily Self-Consciousness“ an (Lenggenhager et al, 2007, Lab of Cognitive Neuroscience an der EPFL in Lausanne), welches zeigte, dass widersprüchlicher, visuell-somatosensorischer Input in der virtuellen Realität die räumliche Einheit zwischen dem Selbst und dem Körper stören kann. Die Versuchsperson erlebte so eine Art „out of body experience”.